____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
BepiColombo
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Die Sonde ist nach dem Spitznamen des 1984 verstorbenen italienischen Mathematikers Giuseppe Colombo benannt, der sich um die Merkurerkundung besonders verdient gemacht hatte. Es ist die dritte Mission zum Merkur nach Mariner 10 in den Jahren 1974 und 1975 sowie dem MESSENGER-Orbiter von 2011 bis 2015.
Contents
⢠Vorgeschichte
⢠Missionsziele
⢠Ionenantrieb
⢠Kommunikation
⢠Aufbau von MIO
⢠Bodensegment
⢠Start
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Vorgeschichte
Ein Vorschlag fĂźr die eine Merkurmission wurde 1993 eingereicht im Rahmen von âCall for Ideasâ, daraus wurde später BepiColombo. Die Mission wurde 1996 als Kandidat aufgenommen und 2000 als Cornerstone-Mission in das wissenschaftliche Missionsprogramm Horizon 2000 Plus der ESA aufgenommen.cite-ref-4-4-0[4] Die Mission sah ursprĂźnglich einen Start mit zwei Orbitern zwischen 2009 und 2010 und drei Jahre Flugzeit mit elektrischem Antrieb und mehreren Gravity-Assists vor. Es sollte auch ein Lander mitfliegen. Im Laufe der Entwicklung wurde schnell klar, dass die Sonde um einiges schwerer wird als im anfänglichen Entwurf. Ein Lander hätte eine zweite Startrakete erfordert und wurde daher 2001 aus KostengrĂźnden gestrichen. Eine Bedingung fĂźr die Mission war der erfolgreiche Abschluss der Smart-1 Mission, bei der zum ersten Mal ein Ionenantrieb von der ESA eingesetzt wurde.cite-ref-4-4-1[4]
In Japan bildete sich 1997 eine Arbeitsgruppe fĂźr eine wissenschaftliche Merkurmission. Das Konzept war ein rotierender Merkurorbiter mit chemischem Antrieb und vielen VorbeiflĂźgen an Venus und Merkur. Bei einem Treffen zwischen den Weltraumagenturen 1999 wurde das Projekt vorgestellt und in der Folge kam es zur Zusammenarbeit und Integration des japanischen Orbiters als Teil von BepiColombo. Dieses Konzept wurde bei der 105. Tagung des ESA Wissenschaftsprogrammkommitees am 6. November 2003 genehmigt.cite-ref-4-4-2[4]
Die Auswahl der 16 Instrumente der Nutzlasten wurde 2005 bestätigt. 2008 kam es zu einem herben Rßckschlag durch unerwartete negative Testergebnisse fßr wesentliche Technologien. In der Folge wurde das Projekt um mehrere Jahre verzÜgert. Es mussten Komponenten neu entwickelt werden und die Massenbudgets wurden ßberschritten. Das veränderte Design und der Wechsel von einer Sojus-Rakete zu einer Ariane 5 wurde im November 2009 angenommen. Aber auch danach gab es immer wieder VerzÜgerungen durch unerwartete Testergebnisse.cite-ref-4-4-3[4]
Missionsziele
BepiColombos vielfältige Aufgaben sollen insgesamt eine umfassende Beschreibung von Merkur und Hinweise auf seine Geschichte liefern. Kameras und verschiedene Spektrometer sollen die Oberfläche aus geringer HÜhe in verschiedenen Spektralbereichen kartografieren, HÜheninformationen ermitteln sowie die mineralogische und chemische Zusammensetzung der Oberfläche bestimmen. Strahlungen, Partikel und Spektren verschiedener Arten und Wellenbereiche sowie das Schwerefeld sollen gemessen werden. Es soll geklärt werden, ob Merkur einen festen oder geschmolzenen Kern hat und die Love-Zahlen sollen ermittelt werden. Die beiden Sonden in koplanarer Anordnung, aber unterschiedlich hohen Umlaufbahnen sollen gemeinsam die Form, Ausdehnung und Herkunft des Magnetfelds ermitteln. Viele der Instrumente sind ähnlich zu denen auf MESSENGER, somit lassen sich die Daten vergleichen, es gibt aber zusätzliche Instrumente, die auf Messenger nicht vorhanden waren, die neue Ergebnisse versprechen.
Technologische Herausforderungen
Zu den besonderen technologischen Herausforderungen gehĂśren:
⢠Reise und Betrieb in Sonnennähe unter starker Licht-, Wärme- und Partikelstrahlung und unter starker Beschränkung der Startmasse.
⢠Die Notwendigkeit, die kinetische und potentielle Energie in einer mehrjährigen Reise in Richtung Merkur mit neun Swing-by-ManÜvern und einem Ionenantrieb effizient abzubauen
⢠Die beschleunigte Alterung der Komponenten
⢠Kßhlung und die Abschirmung der Instrumente gegen Streustrahlung spielt eine wichtige Rolle
Die Solarkonstante ist bei der Erde ca. 1361 W/m2. Dagegen ist die Sonneneinstrahlung an Merkur zwischen 6290 W/m² im Aphel und bis zu 14 500 W/m² im Perihel, im Mittel 9126,6 W/m² also bis zu ungefähr der zehnfachen Sonneneinstrahlung. 80 % der Technologie und Materialien mussten entweder neu entwickelt oder fĂźr den Einsatz unter den Bedingungen von Merkur neu getestet und qualifiziert werden.cite-ref-4-4-4[4] Der Langzeittest der ursprĂźnglich vorgesehenen Solarpanele schlug fehl, so dass eine neue Technologie gefunden und wieder getestet werden musste. Dieses verzĂśgerte den Start um mehrere Jahre. Im Ergebnis musste man die Solarpanele grĂśĂer und robuster bauen, was das Gewicht und wiederum die notwendige Treibstoffmenge erhĂśhte und den Einsatz einer Ariane 5 notwendig machte.cite-ref-4-4-5[4]
Einige der neu entwickelten oder neu qualifizierten SchlĂźsseltechnologien der Mission waren:
⢠Materialien zur Temperaturkontrolle: Oberflächenbeschichtungen, Klebstoffe, Kunstharze, mehrlagige Isolationsschichten, Schmier- und Gleitmittel, optische Sonnenreflektoren
⢠Ein Design fßr den Radiator in einer Umgebung mit hoher Infrarotstrahlung
⢠Solarzellen fßr den Betrieb bei extremer Sonnenbestrahlung und hoher Temperatur, Dioden und Trägermaterialien fßr die Solarpanele
⢠Hoch- und Mittelgewinnantennen fßr Einsatz unter hoher Temperatur
⢠Ein Ionenantrieb mit hohem spezifischem Impuls (Isp = 3800 s) und einem Gesamtimpuls von 17 MNs
⢠Neue Technologien der Nutzlasten wie Sensoren, Filter und Lasertechnologiecite-ref-4-4-6[4]
Das modular zusammengesetzte Raumfahrzeug
BepiColombo ist beim Start als Mercury Composite Spacecraft (MCS) aus vier Teilen zusammengesetzt:
⢠dem Transfermodul (Mercury Transfer Module, MTM) â in Startlage zuunterst,
⢠darauf aufbauend zwei verschiedene Orbiter, samt einem Verbindungsteil zwischen diesen beiden
⢠In Startlage unten sitzt der Fernerkundungsorbiter (Mercury Planetary Orbiter, MPO; dreiachsenstabilisiert, Hydrazinantrieb); er soll in eine 400 km à 1.500 km messende (die niedrigere) polare Umlaufbahn um den Merkur einschwenken.
⢠Ganz oben sitzt der Magnetosphärenorbiter (Mercury Magnetospheric Orbiter, ehemals MMO nun MIO genannt; spinstabilisiert, Kaltgastriebwerke), sein Ziel ist eine hÜhere, ebenfalls polare Umlaufbahn mit den Parametern 600 km à 12.000 km.
⢠Zwischen diesen Orbitern liegt das Sonnenschild-und-Zwischenstßck (MMO-Sunshield-and-Interface-Struktur, MOSIF), das als Hitzeschild fßr MIO dient und elektrisch und mechanisch die Verbindung zwischen MPO und MIO bildet.
Gestartet und zum Merkur geflogen werden MPO, MOSIF und MIO Ăźbereinander montiert auf dem MTM als Mercury Composite Spacecraft (MCS). BepiColombo wog als MCS beim Start vollgetankt 4081 kg. Beim Abstieg im Schwerefeld der Sonne hin zur Merkurbahn liegt MTM mit dem zum Bremsen genutzten Triebwerk zur Sonne hin, sodass MOSIF MIO vor der intensiver werdenden Sonnenstrahlung schĂźtzen kann.
Mercury Transfer Module (MTM)
Das im Auftrag der ESA entwickelte Transfermodul mit einer Startmasse von ca. 1100 kgcite-ref-factsheet-2-2[2] transportiert während des Flugs bis zum Merkur beide Orbiter und einen Teil der Treibstoffe. Das MTM wird während des Flugs vom Computer des MPOs gesteuert. Zur Kommunikation werden Sender und Antenne des MPO benutzt. Das MTM hat drei einfache weitwinklige âSelfie-Kamerasâ mit kurzer Brennweite und einer AuflĂśsung von 1024 Ă 1024 in schwarzweiĂ. Mit ihnen kann die korrekte Entfaltung der Solarpanele und die Ausrichtung der Antenne Ăźberwacht werden, als Nebenprodukt kann man bei Swing-by-ManĂśvern die Planeten im Hintergrund erkennen.
Das MTM verfßgt ßber zwei verschiedene Antriebe: Der Ionenantrieb wird in wochen- und monatelangen Brennphasen bei kleinem Schub zwischen den Swing-by-ManÜvern eingesetzt, um das Raumschiff abzubremsen. Der chemische Antrieb wird zur Lageregelung eingesetzt, zur Entsättigung der Reaktionsräder und fßr das Einschwenken in die Merkurumlaufbahn.
Ionenantrieb
FĂźr die interplanetaren Phasen gibt es vier redundante solar-elektrisch betriebene QinetiQ-T6-Ionentriebwerke vom Typ Kaufman. Dieses Triebwerk der 5 kW-Klasse wiegt 8,5 kg und das Ionengitter hat einen Durchmesser von 22 cm. FĂźr die Mission wurde die variable Schubkraft in Stufen von 75 bis 145 mN definiert. Das Triebwerk an sich kann mit Schubkraft zwischen 24 mN bis 230 mN betrieben werden, unterliegt aber bei hĂśherem Schub einem verstärkten VerschleiĂ. Der spezifische Impuls ist mehr als 4000 s.cite-ref-5[5] Als StĂźtzmasse dienen 580 kg Xenon fĂźr ein Îv von 5400 m/s, das in drei Tanks mitgefĂźhrt wird. Bis zu zwei dieser vier Triebwerke kĂśnnen gleichzeitig in Betrieb sein. Diese Triebwerke ionisieren Xenon und beschleunigen die dabei entstehenden Xenon-Ionen durch Hochspannungsgitter auf eine Geschwindigkeit von 50.000 Meter pro Sekunde. Die Ionentriebwerke sind schwenkbar montiert. Der Schwerpunkt des Raumschiffs verändert sich, wenn die StĂźtzmasse und Treibstoffe verbraucht werden. Durch die beweglichen Triebwerke kann der Schub immer auf den Schwerpunkt ausgerichtet werden â unabhängig davon, ob ein oder zwei Triebwerke eingesetzt werden und unabhängig davon, welche der vier Triebwerke in Betrieb sind.cite-ref-2-6-0[6]
FĂźr den Betrieb der Ionentriebwerke und der Ăźbrigen Komponenten verfĂźgt das MTM Ăźber 42 m2 Solarmodule mit einer Leistung von etwa 15 kW.cite-ref-factsheet-2-3[2] Es ist darin eingeplant, dass die Solarzellen altern und dass die Paneele nicht immer voll zur Sonne ausgerichtet werden kĂśnnen.
Chemischer Antrieb
Zusätzlich hat das MTM 12 redundante chemische Triebwerke mit je 10 N Schub fĂźr Lage- und Orbitkontrolle während der Swing-by-ManĂśver,cite-ref-7[7] fĂźr das Entsättigen der Reaktionsräder während der Mission und fĂźr das Einbremsen in die Umlaufbahnen. Das System wird mit Helium unter Druck gesetzt, eingesetzt wird Monomethylhydrazin und MON 3. Das MTM hat eine Ladung von 157 kg chemischem Treibstoff fĂźr ein Îv von 68 m/s.
Das Transfermodul wird nur bis zur Ankunft am Merkur benĂśtigt. Kurz bevor die Sonden in die Merkurumlaufbahnen eintreten, wird das Transfermodul abgetrennt und wird in einer Umlaufbahn um die Sonne bleiben.cite-ref-2-6-1[6]
Mercury Planetary Orbiter (MPO)
Der MPO ist der europäische Orbiter der Mission. Der SatellitenkÜrper der Raumsonde ist 2,4 m breit, 2,2 m tief, 1,7 m hoch und besitzt einen 3,7 m breiten Radiator.cite-ref-factsheet-2-4[2] MPO hatte beim Start eine Trockenmasse von 1146,6 kg, 673,2 kg Treibstoff und eine Gesamtmasse von 1819,8 kg.cite-ref-4-4-7[4]
Energieversorgung
Während MTM in Betrieb ist, wird der Solargenerator des MPO mit den schmalen Seiten in Richtung Sonne gedreht. Dieses minimiert das Drehmoment auf die Fläche durch den Sonnenwind, dient der Temperaturkontrolle, verhindert, dass die Solarzellen vorzeitig altern und gibt den Blick fßr die Sonnensensoren frei. Das MTM ßbernimmt in dieser Zeit fßr MPO und MIO die Stromversorgung.
MPO benĂśtigt während des Wissenschaftsbetriebs 1140 W, die von einem Solargenerator erzeugt werden. Die Solarmodule haben eine Fläche von 8,2 m2 und sind im entfalteten Zustand 7,5 m lang. Die Stromversorgung ist auf 28 V reguliert und fĂźr den Betrieb auf der Nachtseite gibt es eine Batterie. Der Solargenerator besteht aus einem FlĂźgel aus drei Teilen, der auf einer Seite zu 70 % mit Solarzellen und zu 30 % mit Reflektoren bedeckt ist. Die Reflektoren sorgen dafĂźr, dass die Temperatur nicht Ăźber das erlaubte Limit von 200 °C steigt. Der Generator wird in einen flacheren Winkel zur Sonne gedreht, der genĂźgend Strom produziert, aber zugleich verhindert, dass sich die Paneele unnĂśtig aufheizen. Diese Faktoren bewirken, dass trotz der hohen Einstrahlung ein relativ groĂer Generator benĂśtigt wird.cite-ref-4-4-8[4]
Temperaturkontrolle
Ein wichtiges Thema ist die Hitzebeständigkeit und die Temperaturkontrolle. Diese bedeutet, dass alle Materialien, Oberflächen, Baugruppen, Nutzlasten und Anbauten einer hohen Temperaturbelastung standhalten mĂźssen. FĂźr den Betrieb ist es wichtig, dass die meiste Energie nicht absorbiert, sondern reflektiert wird. Die Oberfläche ist mit einer mehrlagigen Isolierung (Multi-Layer Insulation oder MLI) bedeckt, die nur wenig der Strahlung absorbiert und den grĂśĂten Teil reflektiert. Dennoch heizt sich das Material auf Ăźber 360 °C auf. Die bis dahin Ăźblichen Isoliermaterialien, z. B. metallbedampfte Polyimidfolien halten der Belastung nicht stand. Benutzt wird daher eine keramische Faser mit Titanschichten. Die Entwicklung dieses Materials war sehr aufwendig. Reflektierend beschichtet ist auch die Hochgewinnantenne, die unvermeidbar voll der Sonne ausgesetzt ist. Das Radioexperiment erfordert zugleich eine sehr stabile Antenne, darum wurde sie in Titan gefertigt.cite-ref-4-4-9[4]
Im Orbit um Merkur zeigt die Seite mit den Instrumenten immer nach Nadir, als Resultat sind bis zu 5 Seiten unter dem Sonneneinfluss und nur eine Seite kann fĂźr den Radiator genutzt werden. Der Radiator ist nicht der Sonne ausgesetzt, empfängt aber dennoch intensive RĂźckstrahlung von Licht- und Wärmestrahlung von der Planetenoberfläche. Um den Anteil dieser parasitären Strahlung zu verringern, hat der Radiator hochreflektierende Finnen, die diese Strahlung in einem Winkel reflektieren und die zugleich die Abstrahlung der Wärmestrahlung in den Weltraum erlauben. Im Inneren soll die Temperatur standardmäĂig in einem Bereich von 0 bis â50 °C gehalten werden, fĂźr bestimmte Instrumente wird â10 °C bereitgestellt. FĂźr die Instrumente gibt es Doppel-H-Paneele, die eine Montage auf von drei Seiten gekĂźhlten Platten erlauben, während die Instrumente auf die heiĂe Oberfläche schauen. Die KĂźhlung erfolgt mit Wärmerohr zwischen den Doppel-H-Paneelen und dem Radiator. Dabei werden verschiedene Zonen mit unterschiedlichen Anforderungen gebildet. FĂźr die kältesten Phasen während der Reise stehen Heizelemente zur Temperaturstabilisierung zur VerfĂźgung.cite-ref-4-4-10[4]
Kommunikation
MPO verfĂźgt Ăźber zwei unbewegliche Niedergewinnantennen fĂźr X-Band, eine bewegliche Mittelgewinnantenne fĂźr X-Band und eine bewegliche Hochgewinnantenne mit 1 m Durchmesser. Die beiden Niedergewinnantennen kĂśnnen aus jeder Lage senden und empfangen und dienen in der Startphase und in Erdnähe zur Kommunikation, auĂerdem zur Sicherung der Notfallkommunikation in groĂer Entfernung. Die Mittelgewinnantenne befindet sich auf einem Ausleger und wird hauptsächlich in den langen Phasen zwischen den Planetenbegegnungen eingesetzt und wenn die Sonde in den Sicherheits- oder Notfallbetrieb geht. Die Geometrie der Mittelgewinnantenne erlaubt in den meisten Situationen die Ausrichtung auf die Erde. Die Hochgewinnantenne wird in den interplanetaren Phasen eingesetzt, wenn ein hĂśheres Datenvolumen anfällt. Sie kann gleichzeitig im X-Band senden und empfangen und im Ka-Band senden, muss aber bis auf wenige Bogenminuten genau auf die Erde ausgerichtet werden.
Navigation und Lagekontrolle, Antriebe
Das sogenannte Attitude and Orbit Control System (AOCS) verfolgt mehrere Aufgaben. Es muss einerseits die Navigation erfßllen, aber andererseits das Raumfahrzeug so ausrichten, dass auch im Fall einer BetriebsstÜrung keine Komponenten durch die Strahlung beschädigt werden. Die unterschiedlichen Phasen des Anflugs erfordern dabei unterschiedliche Ausrichtungen. AOCS benutzt zur Navigation und Lagekontrolle mehrere Systeme:
⢠Drei Sternsensoren mit eigener Elektronik und Streulichtblenden. Die Sternsensoren haben Schutzklappen im Gehäuse. Fßr den Fall, dass die Kontrolle ßber MPO verloren geht, werden diese automatisch geschlossen, damit die Sensoren nicht durch die intensive Sonneneinstrahlung zerstÜrt werden.
⢠Zwei Trägheitsmesssysteme, darin enthalten sind vier Gyroskope und vier Beschleunigungsmesser in tetraedrischer Anordnung und die zugehÜrige Elektronik.
⢠Zweimal vier redundante Sonnensensoren.
⢠Vier Reaktionsräder mit doppelter Elektronik. Drei Reaktionsräder sind zum Betrieb notwendig.
⢠Zwei redundante Sätze von vier 22-Newton-Antriebsdßsen. Als Treibstoffe verwenden diese zwei Komponenten: MON3, einen Mix aus Stickstofftetroxid mit 3 % Stickoxid als Oxidator, und Hydrazin. Diese Triebwerke dienen zum Abbremsen und Einschwenken in eine hohe Merkurumlaufbahn. Danach werden damit die Umlaufbahnen fßr MIO und MPO erniedrigt. Im Zielorbit angelangt werden diese Triebwerke deaktiviert und passiviert.
⢠Zwei redundante Sätze von vier 5-Newton-Hydrazin-Antriebsdßsen fßr Lagekontrolle und Entsättigung der Reaktionsräder.
⢠High and Medium Gain Antenna Pointing Mechanism (HGAPM/MGAPM), diese kompensieren automatisch die StÜrungen, die die Ausrichtung der Antennen verursachen.
⢠Drei Solar Array Drive Mechanismen (SADM), diese bewegen die beiden Solarpanele des MTM und das des MPO.
⢠12 redundante chemische Triebwerke mit je 10 Newton Schub fßr das MTM während des Anflugs.
⢠Solar Electrical Propulsion Subsystem (SEPS), solange der Ionenantrieb des MTM in Bereitschaft ist.
Insgesamt bedient AOCS 58 Antriebe und Lagekontrollelemente und verarbeitet die Daten von 15 Sensoren.
FĂźr den Fall, dass der redundante Bordcomputer eine StĂśrung aufweist, muss die korrekte Ausrichtung des Raumfahrzeugs jederzeit weiterhin gewährleistet werden, um die Ăberhitzung und den Ausfall von Komponenten zu verhindern. Aus diesem Grund gibt es die Failure Correction Electronik (FCE), diese bewahrt die Informationen aus den Trägheitsmesssystemen und den Sterntrackern Ăźber die Ausrichtung des Raumfahrzeugs, solange innerhalb von wenigen Minuten der Bordcomputer neu gestartet oder auf den sekundären Bordcomputer gewechselt wird. FCE sorgt in diesem Fall auch, dass die Solarpanele korrekt ausgerichtet bleiben. FCE kann in dieser Zeit nicht die Sonnensensoren auslesen und die Sterntracker sind zur Sicherheit geschlossen, aber die Informationen des Trägheitsmessystems kĂśnnen die Lageveränderungen fĂźr diese Zeit gegenĂźber der letzten gemessenen Position mit ausreichender Genauigkeit fortschreiben, bis der Bordcomputer wieder verfĂźgbar ist und alle Navigationssysteme wieder ausgelesen werden kĂśnnen.
AOCS hat mehrere Betriebsarten:
⢠Sun Acquisition and Survival Mode wird benÜtigt, um direkt nach dem Start die Sonne zu finden und die Sonde korrekt auszurichten. Zur Lagekontrolle werden nur die Steuerdßsen verwendet. Die Sonde rotiert dabei um die Achse, die zur Sonne zeigt. Dieses sichert die Stromversorgung und die korrekte Funktion der Temperaturkontrolle. Dieser Modus wßrde sonst nur noch automatisch nach einer ComputerstÜrung ausgefßhrt.
⢠Dann wird in den Safe and Hold Mode gewechselt. In diesem Betriebszustand werden die Reaktionsräder zur Lagekontrolle eingesetzt, dadurch verringert sich der Treibstoffverbrauch. AuĂerdem wird zum Empfang die Mittelgewinnantenne auf die Erde ausgerichtet, optional auch die Hochgewinnantenne. AOCS entsättigt in diesem Modus die Reaktionsräder automatisch.
⢠Nur durch einen Befehl von der Erde wird von Save and Hold in den Normalbetrieb gewechselt. Im Normalbetrieb werden die Reaktionsräder nur auf Befehl entsättigt, denn die Steuerdßsen sind in diesem Fall abgeschaltet und mßssen vor dem Einsatz vorgewärmt werden. Die Rotation wird gestoppt und sowohl Mittel- als auch Hochgewinnantenne kÜnnen betrieben werden.
⢠Orbit Control Mode wird eingesetzt, solange die chemischen Triebwerke die Flugbahn stark verändern. Es gibt zwei separate Steuereinheiten, eine zur Steuerung der Triebwerke des MTM und eine fßr MPO, die in Betrieb geht, sobald die Transferstufe abgeworfen wurde.
⢠Der Electric Propulsion Control Modus wird benÜtigt, um die Ionentriebwerke zu betreiben. Alle Funktionen des Normalbetriebs laufen weiter, aber die Reaktionsräder werden, wenn mÜglich, durch die Ionentriebwerke entsättigt. Die chemischen Triebwerke sind abgeschaltet und es ist mÜglich, dass in dieser Zeit weder die Mittelgewinn-, noch die Hochgewinnantenne zur Erde zeigen kann. In diesem Modus arbeitet die Sonde weitgehend autonom und benÜtigt keine Steuerbefehle von der Erde. Es gibt eine Onboard-Fehlererkennung, die Probleme erkennen kann und automatische Prozeduren ausfßhrt zur Isolation des Fehlers und zur automatischen Fehlerkorrektur oder zum Wechsel auf redundante Systeme.cite-ref-8[8]
BepiColombo Radiation Monitor (BERM)
In der Versorgungseinheit ist ein Strahlungsmessgerät integriert, das zur LangzeitĂźberwachung von Weltraumstrahlung dient. Das Instrument misst energiereiche Elektronen im Bereich von ungefähr 150 keV bis 10 MeV, Protonen mit Energien von 1,5 MeV bis 200 MeV und schwere Ionen, vor allem Heliumkerne mit einem linearen Energietransfer von 1 bis 50 MeV ¡ mgâ1 ¡ cm², und damit in Bereichen, die oberhalb der Instrumente der Nutzlasten liegen. Das Instrument ist auf der Seite des Radiators platziert und während aller Flugphasen vom Start bis zum Missionsende die meiste Zeit aktiv und sammelt Daten, die zusammen mit den allgemeinen Flugdaten Ăźber den Status der Sonde Ăźbertragen werden. Die Daten geben Auskunft Ăźber die gesamte Strahlungsbelastung und ermĂśglichen ein Profil der Strahlungsbelastung an verschiedenen Orten im Sonnensystem. Bei sehr hohen und gefährlichen Strahlungswerten, z. B. bei einem koronalen Massenauswurf, gibt BERM einen Alarm aus, dieses erlaubt die wissenschaftliche Nutzlast vorsorglich abzuschalten und so die Instrumente vor Schaden zu bewahren.cite-ref-9[9] Ein ähnliches Instrument wurde auf JUICE eingesetzt.
Instrumente des MPO
Die wissenschaftliche Nutzlast des MPO wiegt 85 kgcite-ref-factsheet-2-5[2] und umfasst elf Instrumente, zehn europäische und ein russisches. Die Zusammenarbeit aller Instrumente von beiden Orbitern erlaubt zusätzliche Erkenntnisse, die aus den Daten der einzelnen Instrumenten alleine nicht zu gewinnen sind.
BELA (BepiColombo Laser Altimeter)
BELA (BepiColombo Laser Altimeter) ist ein Laser-HÜhenmesser mit einer OrtsauflÜsung von 50 m. Dieses Instrument wird vom DLR in Zusammenarbeit mit der Universität Bern, dem Max-Planck-Institut fßr Sonnensystemforschung und dem Instituto de Astrofisica de Andalucia verantwortet. Das Instrument hat einen Neodym-dotierten Yttrium-Aluminium-Granat-Laser, der sehr kurze 50-mJ-Laserimpulse mit einer Wellenlänge von 1064 nm zur Merkuroberfläche senden wird. Das reflektierte Laserlicht im nahen Infrarot wird von einer Lawinen-Photodiode im Brennpunkt eines Teleskops empfangen.cite-ref-10[10]cite-ref-11[11] Ein wichtiger Teil der Entwicklung war der Schutz des Instruments gegen die Hitze und die intensive Sonnenstrahlung sowie der Ausschluss von Streulicht. Das Messprinzip ist eine Laufzeitmessung des Laserstrahls, bis der reflektierte Strahl wieder empfangen wird. Das Instrument kann bis zu einer HÜhe von 1000 km ßber der Oberfläche arbeiten. Aufgaben und erwartete Ergebnisse des Instruments:
⢠Globale Form des Planeten
⢠Globale und lokale Topographie (fßr gemeinsame Auswertung mit Schwerefelddaten)
⢠Parameter der Rotation und Libration
⢠Messungen von Verformungen durch die Gezeitenkräfte
⢠HÜhenprofile geologischer Formationen
⢠Rauigkeit und Albedo der Oberfläche
⢠Navigations-Unterstßtzung
MERTIS (Mercury Radiometer and Thermal Infrared Spectrometer)
Infrarotdetektor und -spektrometer von hoher AuflĂśsung um eine mineralogische und eine Temperatur-Landkarte Merkurs zu erstellen. Das Instrument untersucht die Zusammensetzung der Oberfläche, identifiziert die gesteinsbildenden Mineralien und ermĂśglicht, die Kartografie der Oberflächenmineralien, schlieĂlich werden die Oberflächentemperaturen untersucht und die Trägheit der Temperaturänderungen. Untersucht wird der Reststrahlen-Effekt, der Christiansen-Effekt und die Transparenz der Materialien. Das Instrument beobachtet abwechselnd die Oberfläche, den Weltraum und zwei SchwarzkĂśrperstrahler mit Temperaturen von 300 K und 700 K als Referenzen. Es arbeitet anhand ungekĂźhlter Mikrobolometer-Technologie mit einem Beobachtungswinkel von 4° in einer Wellenlänge von 7 bis 14 Âľm mit einer spektralen AuflĂśsung von 90 nm. Es soll räumliche AuflĂśsungen von 500 m fĂźr die mineralogische und von 2000 m fĂźr die Temperatur-Landkarte liefern.cite-ref-12[12] Die gesamte Oberfläche soll mit einer räumlichen AuflĂśsung von maximal 500 m erfasst werden, aber 5â10 % der Oberfläche sollen mit AuflĂśsung besser als 500 m aufgenommen werden. Bei einem Gewicht von ca. 3,3 kg hat es eine durchschnittliche Leistungsaufnahme von circa 10,0 bis 12,4 W. Beim Bau war das deutsche Unternehmen Astro- und Feinwerktechnik Adlershof maĂgeblich beteiligt.
Die Informationen ßber die Zusammensetzung der Oberfläche entscheiden, welche der konkurrierenden Theorien die Entstehung von Merkur am besten erklärt. Eine Theorie besagt, dass gewaltige Einschläge bald nach der Entstehung den Planeten von seiner primordialen Kruste und dem oberen Mantel befreit haben. Dann wäre der ßbriggebliebene Rest stark von Substanzen und Elementen der primordialen Kruste abgereichert.
PHEBUS (Probing of Hermean Exosphere By Ultraviolet Spectroscopy)
Ultraviolett-Spektrometer mit dem Zweck, Merkurs Exosphäre zu analysieren und ihr dynamisches Verhalten, gekoppelt an Oberfläche und Magnetosphäre des Planeten, besser zu verstehen. Das Instrument hat einen EUV-Detektor im Wellenlängenbereich 55â155 nm, und einen FUV-Detektor fĂźr den Bereich 145â315 nm, mit Erweiterung fĂźr die NUV-Linien in 404,4 und 422,8 nm von Kalium und Calcium. Insgesamt kĂśnnen sie eine spektrale AuflĂśsung von 1 nm erreichen.cite-ref-13[13] Das Instrument kann die Elemente Si, Mg, Fe und die Edelgase Ar, Ne sowie deren räumlich-zeitliche Verteilung in der Exosphäre erkennen. Die wissenschaftliche Entwicklung und der Bau des gesamten Instruments geschahen in der Verantwortung des franzĂśsischen LATMOS, wobei CNES das Instrument als Generalunternehmen in Auftrag gab. Beiträge zum Instrument stammen von der Universität Tokyo in Japan, vom russischen Raumforschungsinstitut IKI und vom CNR-IFN-LUXOR-Labor in Italien. Die Detektoren in der GrĂśĂe 25 Ă 40 mm bestehen aus Caesiumiodid (CsI) fĂźr EUV und Caesiumtellurid (Cs2Te) fĂźr FUV.cite-ref-14[14]
SIMBIO-SYS (Spectrometer and Imagers for MPO BepiColombo Integrated Observatory System)
Umfangreiches Mulitkamerasystem mit vier Optiken fßr Stereo-, HochauflÜsungs- und Multispektralaufnahmen, dessen Zweck die geologische Analyse der Oberfläche, die Untersuchung von Vulkanismus und Tektonik, des Alters und der Bestandteile sowie allgemeine Geophysik ist. SIMBIO-SYS ist das wichtigste Instrument der Mission und liefert von allen Instrumenten am meisten Daten. Es gibt drei Systeme, die unabhängig voneinander arbeiten.
⢠Der Stereo Channel (STC) benutzt zwei Optiken genannt H und L, die mit ihren Achsen fĂźr die Stereoaufnahmen in unterschiedliche Richtungen zeigen. Derselbe Bereich wird einmal von vorn während des Anflugs und dann wenig später nach dem Ăberflug ein weiteres Mal aus der RĂźckschau erfasst. Sie verfĂźgt Ăźber vier spektrale Kanäle. Die Active Pixel Sensoren (APS) erfassen einmal panchromatisch 400â900 nm mit Mitte im Wellenlängenbereich 650 nm, dazu drei Filter mit 550, 700 und 880 nm. Damit erfasst sie sichtbares Licht und einen kleinen Bereich im Infrarot. Das Gesichtsfeld ist 5Âş und die Kamera erreicht eine AuflĂśsung von bis zu 50 m/Pixel aus einer HĂśhe von 480 km. Die beiden Kameras werden im Laufe der Mission die gesamte Oberfläche erfassen.
⢠High spatial Resolution Imaging Channel (HRIC) hat eine eigene Optik und kann in den gleichen Spektralbereichen wie STC bei einem Gesichtsfeld von 1,47º aus einer HÜhe von 480 km eine AuflÜsung von bis zu 5 m/Pixel erreichen; Mit dieser Kamera sollen ca. 10 % der Oberfläche hochauflÜsend erfasst werden.
⢠Visible Infrared Hyperspectral Imager Channel (VIHI) wird sich auf sichtbares und nahes Infrarot (400 bis 2000 nm mit Erweiterung fĂźr 2200 nm) konzentrieren. Bei einem Gesichtsfeld von 3,7° erreicht die multispektrale Kamera bei einer FlughĂśhe von 480 km eine AuflĂśsung von 120 m pro Pixel. Die gesamte Oberfläche soll mit einer AuflĂśsung von 480 m pro Pixel und ungefähr 5â10 % der Oberfläche soll mit 120 m AuflĂśsung erfasst werden. Die Technik kombiniert eine Zeilenkamera mit Spektrometer mit einer spektralen AuflĂśsung von 6,25 nm.cite-ref-15[15] Das Ergebnis ist ein endoser Bildstreifen. Damit kann jedem einzelnen Bildpunkt ein Spektrum zugeordnet werden. Mit dieser Kamera wird eine mineralogische Karte erstellt, dabei werden die Strukturen der Oberfläche mit der Oberflächenzusammensetzung verknĂźpft.
SIXS (Solar Intensity X-ray and particles Spectrometer)
RÜntgen- und Partikeldetektoren (Protonen, Elektronen) mit dem Ziel, die variable Signatur im RÜntgenbereich der Planetenoberfläche durch Messungen der Sonnenstrahlung besser zu verstehen. Aus den SIXS-Messungen kÜnnen zuverlässige Schätzungen der Planetoberflächenbestrahlung gewonnen werden, die danach mit den verwandten MIXS-Messungen korreliert werden sollen. Das Instrument kann Spektralmessungen im RÜntgen-Energiebereich von 1 bis 20 keV mit einer zeitlichen AuflÜsung von bis zu einer Sekunde durchfßhren und gleichzeitig Spektra von Protonen (von 0,33 bis 30 MeV) und Elektronen (von 50 keV bis 3 MeV) mit Zählraten von bis zu 20000 cps aufnehmen.cite-ref-16[16]
MIXS (Mercury Imaging X-ray Spectrometer)
Teleskop mit Kollimator fßr die RÜntgenfluoreszenz der Merkuroberfläche, das bei der Bestimmung ihrer elementaren Zusammensetzung helfen soll. MIXS-Messungen sollen mit Messungen des Partnerinstruments SIXS kalibriert werden, um dann die Ergebnisse auf dem Planeten zu kartographieren. MIXS hat zwei Kanäle. Das MIXS-Teleskop (MIXS-T) hat ein sehr enges Sichtfeld (1° FoV), während der Kollimator (MIXS-C) mit 10° arbeitet. Das Instrument wurde entwickelt und konstruiert von der Universität Leicester, dem Max-Planck-Institut fßr Sonnensystemforschung (MPS) und dem Max-Planck-Institut fßr extraterrestrische Physik (MPE).cite-ref-17[17]cite-ref-18[18] Die Beobachtung beruht auf einer Beleuchtung der Oberfläche mit RÜntgenstrahlung aus der Sonnenkorona. Die RÜntgenstrahlen regen die Elektronen der Elemente auf der Oberfläche an und diese senden daraufhin charakteristische Fluoreszenzlinien aus, die sich analysieren lassen. Fßr die Kalibrierung der RÜntgenstrahlung benÜtigt das Instrument die Daten ßber die Intensität der Beleuchtung, die von SIXS geliefert wird.
SERENA (Search for Exospheric Refilling and Emitted Natural Abundances)
Das Instrument SERENA besteht aus einem vierteiligen Satz an Teilchendetektoren, die die dynamischen Prozesse des gekoppelten Systems Exosphäre-Magnetosphäre-Oberfläche analysieren sollen. Alle vier Einheiten arbeiten unabhängig voneinander, aber in der gleichzeitigen Zusammenarbeit vergrĂśĂert sich der Nutzen der Instrumente und es lassen sich weitere wissenschaftliche Ziele erreichen.
1. ELENA (Emitted Low-Energy Neutral Atoms) Ist eine Kamera, die neutrale Partikel und Gase aufnimmt, die von der Oberfläche Merkurs entweichen. ELENA hat ein 1-D Gesichtsfeld, die zweite Dimension ergibt sich aus der Bewegung des Raumschiffs. Das Gesichtsfeld ist 4,5° à 76° nadir, mit einer WinkelauflÜsung von 4,5° à 4,5°. Die messbaren Energien sind zwischen 20 eV und 5 keV.cite-ref-19[19]
2. STROFIO (Start from a Rotating Field mass spectrometer) ist ein Spektrometer, das neutrale Gaspartikel der Exosphäre aufnimmt. Es handelt sich um einen neuen Typ von Massenspektrometer. Die neutralen Partikel treten in das System ein und werden ionisiert. Die Ionen werden fokussiert und bewegen sich auf einer gleichmäĂigen Flugbahn zum 2-D Detektor, dort wird die Flugzeit gemessen. Daraus lässt sich wiederum die Masse und die Ladung berechnen. Das Strofio-Massenspektrometer wurde im Discovery-Programm der NASA entwickelt.cite-ref-20[20]
3. MIPA (Miniature Ion Precipitation Analyser) untersucht Ionen des Sonnenwinds und den Prozess mit dem sich Plasma an der Oberfläche niederschlägt. Es besteht aus einem Sensor und einer Elektroniksteckkarte und benutzt eine Hochspannung. Der Einfallswinkel der Ionen wird erkannt durch die Ablenkung an einem elektrostatischen Deflektor und die Energie durch einen nachfolgenden elektrostatischen Analysator. Das Instrument kann hohe FlĂźsse des Sonnenwindes und der Ionen der Magnetosphäre beobachten, die am Ende den Ionen-Sputtering-Prozess auslĂśsen. Das Instrument kann die Masse einzelner Ionen auflĂśsen und Energien zwischen 10 eVâ15 keV messen.
4. PICAM (Planetary Ion Camera) ist ein Ionen-Massenspektrometer, die den Prozess untersucht bei dem Neutrale Teilchen vom Boden ausgestoĂen werden, dann ionisiert werden und sich in der Umgebung von Merkur bewegen. Die Ionen-Optik beruht auf dem Prinzip einer modifizierten Lochkamera. Der Sensor ist achsensymmetrisch zur Z-Achse und das Gesichtsfeld ist halbkugelfĂśrmig. Die beobachtbaren Energien liegen zwischen 1 eV und 3 keV. PICAM wurde vom Institut fĂźr Weltraumforschung (IWF), vom Institut fĂźr Weltraumforschung der Russischen Akademie der Wissenschaften (IKI), vom Institut de recherche en sciences de lenvironnement (CETP/IPSL), vom Europäischen Weltraumforschungs- und Technologiezentrum (ESTEC), vom Research Institute for Particle and Nuclear Physics (KFKI-RMKI) und vom Max-Planck-Institut fĂźr Sonnensystemforschung (MPS) entwickelt.cite-ref-21[21]
MPO-MAG (MPO Magnetometer)
Einer von zwei digitalen Fluxgate-Magnetometern, aus denen das wissenschaftliche Instrument MERMAG (MERcury MAGnetometer) besteht. Der andere Magnetometer MIO-MAG befindet sich am Bord von MIO und beide zusammen haben das Ziel, Ursprung, Entwicklung und Zustand des Planeteninneren durch die vollständige Charakterisierung seines magnetischen Feldes besser zu verstehen. Die Geräte werden mit einer Abtastrate von 128 Hz das schwache Merkur-Magnetfeld in drei Dimensionen messen und alle Terme dieses Feldes (bis zum Oktupol-Grad) präzise erfassen.cite-ref-22[22] Der Messbereich ist ¹2048 nT mit einer digitalen AuflÜsung von weniger als 60 pT. Ein Sensor befindet sich am Ende eines 3 m langen Auslegers, ein anderer im Inneren der Sonde. Auf diese Weise kann das Eigenmagnetfeld der Sonde ermittelt und die Messung kalibriert werden. Ebenso hilft der Vergleich mit den Messwerten von MIO-MAG bei der Kalibrierung. Eine sekundäre Aufgabe des Instruments ist die Interaktion des Sonnenwinds mit dem Magnetfeld Merkurs und mit dem Planeten selbst zu untersuchen. Wenn der Sonnenwind auf das Magnetfeld trifft, werden dynamische magnetosphärische StrÜme generiert. Untersucht werden die Bedingungen fßr das Auftreffen des Sonnenwindes auf die Planetenoberfläche, ebenso werden die dabei auf der Oberfläche induzierten StrÜme und die Leitfähigkeit des Regolith untersucht.
Nach den ersten erfolgreichen Messungen des Magnetfelds beim Vorbeiflug an der Erde wurde beschlossen, das Instrument fĂźr die Ăźberwiegende Zeit des Flugs in Betrieb zu lassen, um damit den Sonnenwind zu erfassen. In der Zusammenarbeit mit dem ESA-eigenen Solar Orbiter ergeben sich dadurch neue Synergien bei der Untersuchung der Sonnenumgebung. AuĂerdem untersucht die Parker Solar Probe der NASA den Sonnenwind. Die drei Sonden befinden sich räumlich an verschiedenen Stellen und verfĂźgen jeweils Ăźber ein Magnetometer. Gemeinsam kĂśnnen sie zur Untersuchung der räumlichen und zeitlichen Ausbreitung von koronalen MassenauswĂźrfen beitragen.cite-ref-3-23-0[23]
ISA (Italian Spring Accelerometer)
Ein hochempfindlicher dreiachsiger Beschleunigungsmesser, der in Verbindung mit MORE eine Vorhersage der allgemeinen Relativitätstheorie ßberprßft. Das Instrument misst StÜrungen der Flugbahn von MPO, die nicht auf der Schwerkraft beruhen. Die Messungen sollen dabei helfen, die Umlaufbahn genauer zu bestimmen und zwischen Effekten unterscheiden, die auf der Schwerkraft beruhen und solchen, die nicht auf der Schwerkraft beruhen.
MORE (Mercury Orbiter Radio-science Experiment)
Das Experiment bedient sich der Kommunikationsanlage mit ihren Transpondern und Antennen, um damit Radiowellenexperimente in unterschiedlichen Frequenzen zu machen insbesondere benutzt es den Ka-Band Transponder KaT und das Prinzip von Dopplerverschiebung. FĂźr die Messungen werden sowohl Signale der Bodenstationen verwendet, als auch Daten von BELA, ISA und SIMBIO-SYS. Weiter werden die Daten der bordeigenen Lageregelung und -kontrolle ausgewertet. Mit MORE sollen die Entfernungen mit einer Genauigkeit von 15 cm gemessen werden kĂśnnen und Beschleunigungen mit einer Genauigkeit von 1,5 Îźm/s bei einer Integrationszeit von 1000 Sekunden. Mit SYMBIO-SYS werden bestimmte Landmarken erfasst, damit kann die genaue Rotationsbewegung des Planeten ermittelt werden.
MGNS (Mercury Gamma-ray and Neutron Spectrometer)
Detektor zum Nachweis von strahlungsinduzierten Sekundärneutronen und Gammastrahlung auf der Merkuroberfläche. Das Instrument erlaubt die Bestimmung der Elemente von unterscheidbaren Regionen auf der Merkuroberfläche. Erkannt werden die Hauptbestandteile der Mineralien wie die Elemente Si, O, C, Al, Na, Fe, Ca, S, Cl und die natĂźrlich vorkommenden radioaktiven Elemente K, Th, U im Spektrum der Gammastrahlen von der Oberfläche bei einer AuflĂśsung von ca. 400 km. Als weiteres Ergebnis kann das Instrument die regionale Verteilung von Wasserstoff auf der Oberfläche erkennen. Vermutet werden Ablagerungen von Wasser in den Polregionen in Kratern, die permanent im Schatten liegen. Merkur hat keine Atmosphäre und nur ein schwaches Magnetfeld. Schwere Partikel von galaktischer kosmischer Strahlung kĂśnnen direkt in die Oberfläche einschlagen. Dabei werden sekundäre Neutronen von hoher Energie ausgestoĂen, diese wiederum interagieren mit den Atomkernen des Oberflächenmaterials und produzieren Gammastrahlung und einen kleinen Fluss von moderierten Neutronen. Jedes Element produziert dabei ein eindeutiges Muster von Gammastrahlen, die sich mit der Gammastrahlen-Spektroskopie erkennen lassen. Die natĂźrlichen radioaktiven Elemente K, Th und U emittieren von selbst, auch ohne die Wirkung der kosmischen Strahlung. Das Energiespektrum der moderierten Neutronen hängt auch von der Anwesenheit von Wasserstoff ab, weil Wasserstoff ein besonders effektiver Moderator von Neutronen ist. Umgekehrt lässt sich daraus auf die Anwesenheit von Wasser schlieĂen. Das Gammastrahlen-Spektrometer benutzt einen Szintillator auf Basis von Cer(III)-bromid. FĂźr die Erkennung von Neutronen gibt es einen Szintillator fĂźr hochenergetische Neutronen und einen Satz von drei Sensoren fĂźr thermische und epithermische Neutronen.
Mercury Magnetospheric Orbiter (MIO)
Der Mercury Magnetospheric Orbiter MMO wurde unter japanischer Verantwortung entwickelt und im Juni 2018, noch vor dem Start, in MIO umbenannt. âMioâ bedeutet auf Japanisch âWasserstraĂe, Wasserweg, Fahrrinneâ und spielt auf die stete Bewegung der Sonde gegen den Partikelstrom des Sonnenwinds an.cite-ref-24[24]
Während der langen Reise zu Merkur befindet sich MIO geschßtzt von MOSIF auf der kalten Seite und wird vom Transfermodul mit Strom versorgt, um mit Thermostaten und Heizmodulen die Temperatur konstant zu halten.
Bei der Abtrennung vom MPO aus dem MOSIF wird MIO in Rotation mit einer Rate von 15 Umdrehungen pro Minute versetzt.cite-ref-1-25-0[25]cite-ref-26[26] AnschlieĂend werden zwei fĂźnf Meter lange Masten zur Magnetfeldvermessung und vier 15 m lange Drahtantennen zur Vermessung des elektrischen Feldes ausgefahren.cite-ref-0-27-0[27]
Aufbau von MIO
Die Raumsonde mit oktogonalem Querschnitt ist 1,06 m hoch, hat einen AuĂendurchmesser von 1,8 m und wog beim Start etwa 255 kg inklusive der Kaltgasvorräte.
Ein Teil der AuĂenfläche ist zu 70 % mit Solarzellen und 30 % mit optischen Reflektoren ausgestattet. Die Bus-Spannung ist 50 V. Die Mehrschicht-Solarzellen sind von Glas bedeckt, das mit einer elektrisch leitenden Schicht versehen ist. Eine Lithiumionenbatterie mit einer nominalen Kapazität von 23,5 Ah versorgt Mio fĂźr jeweils zwei Stunden auf der Nachtseite. Alle Oberflächen von MIO sind elektrisch leitend beschichtet, damit die Messinstrumente mĂśglichst von statischer Aufladung unbeeinflusst sind.
Die Temperaturkontrolle erfolgt passiv in Verbindung mit einer aktiven Kontrolle der Heizelemente fĂźr den kältesten Teil der Reise. Ein GroĂteil der Sonde, vor allem der obere Teil der Sonde ist mit optischen Reflektoren und mehrlagigen Isolationsfolien isoliert. Die inneren Oberflächen sind mit schwarzer Farbe Ăźberzogen, die die Hitze abstrahlt und somit eine gleichmäĂige Wärmeverteilung im Inneren ermĂśglicht. Die äuĂere Oberfläche des unteren Teils ist schwarz beschichtet und mit Reflektoren bedeckt, die die Aufheizung verhindern und die Wärmeabstrahlung ermĂśglichen. Batterie, Tanks und Motor fĂźr den Antrieb der Antenne sind durch zusätzliche Isolation und Radiatoren vor Ăberhitzung geschĂźtzt.
FĂźr die Kommunikation hat MIO eine flache Phased-Array-Antenne von 80 cm Durchmesser als Hochgewinnantenne im X-Band. Die Sendeelemente sind spiralfĂśrmig angeordnet. Eine Parabolantenne wäre zwar zur DatenĂźbertragung effektiver, aber da auf die Antenne zugleich intensive Licht- und Infrarotstrahlung aus verschiedenen Richtungen einwirkt, kĂśnnte sich die Strahlung an unerwĂźnschter Stelle bĂźndeln und den Orbiter schädigen. Die Antenne wird mit einem Motor in eine Gegenrotation mit derselben Umdrehungsrate versetzt, so dass sie fĂźr die Kommunikation stabil in Richtung Erde ausgerichtet werden kann. Die Antenne ist schwenkbar in einem Bereich von Âą13° und ist mit einer reflektierenden weiĂen Farbe bedeckt. Der Sender hat eine Sendeleistung von 20 Watt. Die Datenrate ist abhängig von der Entfernung des Merkur zur Erde und erreicht durchschnittlich 16 kB/s. Damit lassen sich ca. 40 MB Daten am Tag Ăźbertragen. MIO hat auĂerdem zwei Mittelgewinnantennen im X-Band als Backup, die nach der Abtrennung ausgefahren werden. Eine der Mittelgewinnantennen ist ein Doppelreflektor, die andere ist ein Hornstrahler.
Nach dem Aussetzen verbleibt MIO in seinem Orbit und es gibt keine weitere MÜglichkeit zur Orbitkontrolle. Zur Lageerkennung dienen Sonnensensoren an den Seitenpanelen und ein Sternsensor an der Unterseite des Orbiters. Zur Lageregelung dienen ein Kaltgassystem mit Stickstoff und ein passiver Nutationsdämpfer im Zentralzylinder.cite-ref-28[28] Das Kaltgassystem hat sechs kleine Dßsen mit einem Schub von 0,4 N zur Lageregelung, vier davon dienen zur Kontrolle der Rollbewegung, zwei sind in axialer Richtung angeordnet. Der Gastank ist innen mit einer Titanlegierung ausgekleidet, darßber befindet sich eine Hßlle aus Karbonfasern. Der Tank ist konstruiert fßr einen maximalen Druck von 27,7 MPa und hat ein Volumen von 14,8 Litern. Befßllt wurde der Tank mit 3,69 kg gasfÜrmigem Stickstoff, davon verbleiben 0,69 kg als Rest im Tank und in den Leitungen.
Instrumente von MIO
MIO dient vor allem der in situ Messung von Plasma, Magnetfeldern, Strahlung und Partikeln und trägt dafĂźr fĂźnf wissenschaftliche Instrumente (45 kg) â vier japanische und ein europäisches.
MIO-MAG (MIO Magnetometer, auch MMO-MGF)
MIO-MAG soll zusammen mit dem MPO-MAG das magnetische Feld von Merkur und dessen Magnetosphäre sowie den interplanetaren Sonnenwind vermessen.cite-ref-29[29] Beide Magnetometer MIO-MAG (MMO-MGF) und MPO-MAG und weiters das Ionenspektrometer PICAM auf MPO entstanden unter fßhrender Beteiligung des Instituts fßr Weltraumforschung, Graz und sind durchgehend eingeschaltet.cite-ref-30[30]
MPPE (Mercury Plasma Particle Experiment)
Das Instrument dient der Untersuchung des Plasmas und der neutralen Teilchen von Merkur sowie von dessen Magnetosphäre und des interplanetaren Sonnenwindes. Es handelt sich um ein Instrumentenpaket, bestehend aus sieben verschiedenen Sensoren: drei Sensoren fßr Elektronen, drei fßr Ionen und ein Sensor fßr Neutralteilchen.cite-ref-31[31]cite-ref-6-32-0[32]
| Sensorname | Sensortyp | Energiebereich | Winkel |
|---|---|---|---|
| HEP-e (High Energy Particles â electron) | Detektor | 30 keV bis 700 keV | 20Ă130° |
| MEA1 und MEA2 (Mercury Electron Analyzer) | Elektronenspektrometer | 3 eV bis 30 keV | |
| HEP-i (High Energy Particles â ion) | Ionenspektrometer mit MassenauflĂśsung fĂźr H, He, CNO, Na-Mg, K-Ca, Fe | 30 keV bis 1,5 MeV | 11Ă110° |
| MIA (Mercury Ion Analyzer) | Ionen-Spektrometer ohne MassenauflĂśsung Einheit: eV/q = Elektronenvolt pro Ladungseinheit. Ionen kĂśnnen mehrfache Ladung tragen. | 5 eV / q bis 30 keV / q | |
| MSA (Mercury mass Spectrum Analyzer) | Flugzeitspektrometer fĂźr Ionen mit Massen von 1 bis 60 u | 5 eV / q bis 40 keV / q | 10â15° |
| ENA (Energetic Neutral Atom) | | 10 eV â 3,3 keV | 9Ă30 ° |
MEA1 und MEA2 sind identische Sensoren, zeigen aber in 90° unterschiedliche Richtung. Der MSA-Sensor ist ein TopHat-Ionenspektrometer, das gemeinsam entwickelt wurde vom Laboratory of Plasma Physics (LPP), dem Max-Planck-Institut fßr Sonnensystemforschung (MPS), der IDA-TU Braunschweig und dem Institute of Space and Astronautical Science (ISAS).cite-ref-6-32-1[32]
PWI (Mercury Plasma Wave Instrument)
Ein Plasmawellendetektor zur Untersuchung des elektrischen Feldes, der elektrischen Wellen und der Radiowellen der merkurischen Magnetosphäre und des interplanetaren Sonnenwindes.cite-ref-33[33]
MSASI (Mercury Sodium Atmosphere Spectral Imager)
MDM (Mercury Dust Monitor)
Staubdetektor zur Untersuchung des merkurischen, interplanetaren und interstellaren Staubes im Umfeld von Merkur.cite-ref-0-27-1[27]
Vergleich mit Nutzlasten anderer Merkur-Missionen
Der Umfang der wissenschaftlichen Nutzlast ist erheblich grĂśĂer als bei Mariner 10 und MESSENGER. FĂźr eine detaillierte Aufstellung siehe Chronologie der Merkurmissionen#Vergleich der Nutzlasten.
Bodensegment
Missionskontrolle
Die Missionskontrolle liegt unter Fßhrung der ESA vom Start bis zur Ankunft als Mercury Composite Spacecraft bei Merkur alleine beim ESOC in Darmstadt. Die wissenschaftlichen Daten werden in Villafranca bei Madrid im ESAC gesammelt, archiviert und ausgewertet. Sobald MIO abgetrennt wird, ßbernimmt JAXA die Kontrolle ßber MIO und kommuniziert ßber die Station in Usuda, während MPO weiterhin von ESOC gesteuert wird. Die wissenschaftlichen Daten von MIO werden im Sagamihara Space Operation Center (SSOC) der JAXA ausgewertet. Einrichtungen der JAXA sollen während der Mission als Backup dienen und umgekehrt.
Kommunikationseinrichtungen
Die 35-Meter-Antenne des ESTRACK-Netzwerks in Cebreros ist seit 2017 fßr Empfang im Ka-Band eingerichtet und ist nach der Planung die primäre Anlage zur Kommunikation in allen Missionsphasen, 2019 ist die Station in Malargße fßr Ka-Band hinzugekommen. Fßr den Eintritt in die Umlaufbahn und in anderen kritischen Phasen soll auch New Norcia unterstßtzen. Eine neue Antenne mit Ka-Empfang soll 2025 in New Norcia in den regulären Betrieb gehen, somit gibt es dann die EmpfangsmÜglichkeit rund um die Uhr.
Zum Startzeitpunkt im Oktober 2018 hatte die JAXA noch keine Deep-Space-Antenne mit Empfänger fßr das Ka-Band. Im April 2021 wurde mit der Misasa Deep Space Station eine neue 54-Meter-Antenne mit Ka-Empfang in Betrieb genommen. Die 65-Meter Antenne wird mit einem Ka-Band-Empfänger nachgerßstet. Die beiden japanischen Radiostationen Usuda Deep Space Center in der Nähe von Saku und Uchinoura Space Center nahe Kimotsuki sollen als Backup dienen und werden bei speziellen Messungen genutzt.
Die datenintensive Phase und der verstärkte Einsatz im Ka-Band beginnt erst mit dem Wissenschaftsbetrieb mit der Ankunft bei Merkur ab Ende 2026. Fßr das Mercury Orbiter Radio-science Experiment (MORE) ist zusätzlich zu den Radiostationen von ESA und JAXA der Einsatz von Antenne DSS 25 des Goldstone Deep Space Communications Complexes eingeplant.
Bau und Testphase
Im Januar 2008 erhielt das auf die Entwicklung und den Bau von Satelliten spezialisierte Unternehmen Astrium in Friedrichshafen offiziell den Projektauftrag im Volumen von 350,9 Millionen Euro. Die Gesamtkosten inklusive Start und Betrieb bis 2020 wurden im Jahr 2008 auf 665 Millionen Euro geschätzt.cite-ref-35[35]
Der japanische MIO wurde in einem speziell modifizierten Weltraumsimulator der ESA im ESTEC getestet, mit der Bestrahlung von 10 Solarkonstanten, wie sie in der Merkurumlaufbahn herrschen. Seine AuĂenhaut musste dabei Ăźber 350 °C aushalten.cite-ref-36[36] Zwischen dem 12. September 2011 und dem 6. Oktober 2011 folgten Tests des MPO im Weltraumsimulator.cite-ref-37[37]
Im August 2018 konnte das Qualification Acceptance Review erfolgreich abgeschlossen werden und das MCS wurde am 30. August 2018 fĂźr die Betankung mit den chemischen Treibstoffen freigegeben.cite-ref-38[38]
Als Trägerrakete war anfangs eine Sojus ST-B mit Fregat-Oberstufe vorgesehen, die von Kourou starten sollte, dann wurde jedoch aus Gewichtsgrßnden auf eine Ariane 5 ECA gewechselt.
Start und Flug bis Merkur
Start
Der ursprßnglich bereits fßr 2013 vorgesehene Starttermin musste mehrfach verschoben werden, da die Entwicklung diverser Komponenten fßr die starke thermische Belastung in Sonnennähe deutlich länger dauerte als geplant. Die vorgesehene Technologie fßr die Solarpanele alterte zu schnell, sodass eine neue LÜsung gesucht und im Langzeittest bestehen musste.
Der erfolgreiche Start von BepiColombo mit der Ariane 5 ECA VA-245 und einer Nutzlast 4081 kg erfolgte am 20. Oktober 2018.cite-ref-va245lk-39-0[39] Die Ariane 5 ECA setzte wie geplant BepiColombo mit einer hyperbolischen Exzessgeschwindigkeit von 3,475 km/s aus.cite-ref-40[40] Um Treibstoff zu sparen, sind auf der sieben Jahre langen Reise neun Swing-by-ManÜver an Erde, Venus und Merkur geplant.cite-ref-factsheet-2-6[2] Dazwischen sind längere Brennphasen des Ionenantriebes vorgesehen. Während des Anflugs kontrolliert MPO sowohl MIO, als auch das Transfermodul, das während dieser Zeit die elektrische Versorgung fßr alle Teile ßbernimmt. MIO ist während des Flugs nahezu inaktiv und wird nur fßr Testzwecke aktiviert.
Kommissionierung des Ionenantriebs
Am 20. November 2018 wurden zum ersten Mal die QinetiQ-T6-Ionentriebwerke getestet. Es war das erste Mal, dass dieses Triebwerksmodell im Weltall betrieben wurde. Dabei wurde eines nach dem anderen in Betrieb genommen. Die Inbetriebnahme und die daraus folgenden Effekte wurden von der Erde aus ßberwacht, solange die Sonde noch nahe genug bei der Erde fßr eine direkte Steuerung war. Die Triebwerke wurden zunächst bei minimalem Schub von 75 und dann schrittweise bis zum maximalen Schub von 125 mN betrieben und dieser ßber fßnf Stunden beibehalten. Die Messungen ergaben eine maximale Abweichung von 2 % von den erwarteten Werten. Die Ionentriebwerke sollen in 22 Brennphasen eingesetzt werden, die bis zu zwei Monate dauern. Die Triebwerke pausieren dabei einmal in der Woche fßr acht Stunden. Diese Zeit wird fßr die genaue Positionsbestimmung und zum Datenaustausch mit der Bodenstation genutzt.cite-ref-41[41]
Vorbeiflug an der Erde
Am 8. April 2020 wurde das Durchfliegen eines sogenannten GravitationsschlĂźsselloches anvisiert, einer kritischen Raum-Zeit-Tor-Situation.cite-ref-44[44] Am 10. April 2020 wurde wie geplant das Swing-by-ManĂśver an der Erde vollzogen, dabei kam die Sonde der Erde bis auf 12.689 km nahe. Sechs der elf Instrumente des MPO konnten getestet werden und sieben Sensoren von drei Instrumenten des MIO waren in Betrieb, um Daten zu erfassen. AuĂerdem waren die drei Selfiekameras des MTMs in Betrieb, mit denen Aufnahmen von der Erde gelangen. Zur Zeit des Vorbeiflugs operierte MOC in Darmstadt unter SicherheitsmaĂnahmen, um Infektionen durch das Corona-Virus unter der Belegschaft einzuschränken. Der wissenschaftliche Betrieb von einigen ESA-Missionen wurde zeitweise eingestellt, Tätigkeiten soweit mĂśglich ins Home-Office verlagert und im MOC selbst das Personal auf das Minimum reduziert und besondere Regeln fĂźr den sozialen Abstand angewandt. Trotzdem wurde der Vorbeiflug planmäĂig durchgefĂźhrt.cite-ref-45[45]
⢠MERTIS konnte mit der sekundären Ăffnung fĂźr den Weltraum die Wärmestrahlung des Monds aus 700.000 km Entfernung mit wenigen Pixeln AuflĂśsung erfassen. Während des Flugs ist die primäre Ăffnung vom MTM verdeckt.cite-ref-46[46]
⢠MPO-MAG konnte das Erdmagnetfeld erfassen. Die Daten kĂśnnen fĂźr die Kalibrierung des Instruments verwendet werden. Am Tag der Messung gab es nur wenig Sonnenwind. Der Eintritt in die Magnetosphäre, die BugstoĂwelle und der Durchflug durch die turbulente Zone des Magnetosheath konnten erfasst werden, dann der Durchflug durch die Magnetopause, die alleine vom Erdmagnetfeld dominiert wird und anschlieĂend wieder in umgekehrter Reihenfolge beim Verlassen.cite-ref-3-23-1[23]
Zwei VorbeiflĂźge an Venus
Die Sonde erreichte Venus am 15. Oktober 2020, um dort ein erstes Swing-by-ManÜver durchzufßhren.cite-ref-47[47]cite-ref-5-48-0[48] BepiColombo flog an Venus in einem Abstand von 10721,6 km vorbei und verlor dabei 3,25 km/s an Geschwindigkeit. Sieben der elf Instrumente von MPO und MERTIS waren aktiv, dazu drei der fßnf Instrumente von MIO.cite-ref-5-48-1[48] Die Raumsonde versuchte die im September 2020 bekanntgegebenen Messungen von Monophosphin in der Venus-Atmosphäre weiter zu bestätigen.cite-ref-49[49]cite-ref-50[50] Am 10. August 2021 fand ein zweiter Venus-Flyby im Abstand von 551 km statt und es konnten Daten gesammelt werden.
Die ersten drei VorbeiflĂźge an Merkur
Das erste Swing-by an Merkur fand am 1. Oktober 2021 statt. Das Ereignis wurde von den Selfie-Kameras festgehalten, im Hintergrund ist Merkur erkennbar. Solange das Raumfahrzeug als Mercury Composite Spacecraft unterwegs ist, kÜnnen die abbildenden wissenschaftlichen Instrumente noch keine Aufnahmen machen.cite-ref-51[51] Einige der Instrumente konnten Daten ßber die Teilchen und ßber das Magnetfeld in der Nähe des Planeten sammeln, darunter in Bereichen, die aus den späteren Merkurumlaufbahnen nicht mehr zugänglich sind.cite-ref-52[52] Mit jedem weiteren Swing-by wird die Sonde weiter abgebremst, bis sie in die Umlaufbahn eintreten kann. Zwischen den Vorbeiflßgen sind die Ionentriebwerke ßber längere Zeit in Betrieb und bremsen die Sonde ab. Zwei weitere Vorbeiflßge am 23. Juni 2022 und am 19. Juni 2023 verliefen wie geplant.
Problem mit der Stromversorgung und die letzten drei VorbeiflĂźge
Am 26. April 2024 sollten die Ionentriebwerke ein weiteres Mal planmäĂig aktiviert werden, jedoch stand dafĂźr nicht genĂźgend elektrische Energie zur VerfĂźgung und es gab eine Fehlermeldung. Es stellte sich heraus, dass die Leistung der Solarpanele auf weniger als 90 % der geplanten Leistung abgefallen ist. Die Ingenieure konnten die Triebwerke wieder in Betrieb setzen, jedoch nicht mehr die volle Leistung herstellen.cite-ref-53[53] Da sich das Problem in den folgenden Monaten nicht beheben lieĂ, wählten die Flugingenieure fĂźr den vierten Vorbeiflug am 4 bis 5. September 2024 eine modifizierte Route, die 35 km näher an Merkur vorbeifĂźhrt. Der Vorbeiflug erfolgte sehr dicht in ca. 165 km Ăźber der Merkuroberfläche, auĂerdem Ăźber den Nordpol. Die Flugbahn wurde dadurch auf die Bahnebene von Merkur angepasst, die 7° gegenĂźber der Ekliptik geneigt ist. Die anschlieĂende Flugbahn wurde neu berechnet und angepasst, es wurden zusätzliche Brennphasen mit dem Haupttriebwerk notwendig. Der Termin fĂźr den Eintritt in die Merkurumlaufbahn musste von Dezember 2025 auf November 2026 verschoben werden.cite-ref-54[54]
Der 5. Vorbeiflug am 1. Dezember 2024 war bei der grĂśĂten Annäherung in einer Entfernung von 37 630 km und das Instrument MERTIS konnte zum ersten Mal Daten von Merkur erfassen, dazu wurden weitere Instrumente fĂźr Tests eingesetzt.cite-ref-55[55] Der 6. und letzte Vorbeiflug erfolgte wie erwartet am 8. Januar 2025 in einem Abstand von 295 km und verlief Ăźber den Nordpol. Dieses Mal durchflog die Sonde den sonnenabgewandten Bereich und erlaubte damit den Test der Temperaturkontrollen.cite-ref-56[56] Dieses ManĂśver näherte die Umlaufbahn von BepiColombo weiter an die Umlaufbahn von Merkur an. In der letzten Phase wird die Geschwindigkeit weiter mit dem Ionenantrieb verringert und die Flugbahn immer mehr der Flugbahn von Merkur angenähert. Das Ziel ist ein sanfter Einfang der Sonde an Merkur, dabei wird am Ende nur noch ein schwaches BremsmanĂśver benĂśtigt, um aus der Sonnenumlaufbahn in einen Merkurorbit zu wechseln.
Ankunft bei Merkur
Kurz vor dem endgßltigen Erreichen der Merkurumlaufbahn im November 2026 wird das Transfermodul MTM abgetrennt.cite-ref-57[57] Die beiden aufeinandersitzenden Sonden treten mit dem chemischen Antrieb des MPO in eine polare Umlaufbahn ein. MIO hat keinen eigenen Antrieb, nur eine Kaltgas-Lagestabilisierung, und wird deswegen in seiner endgßltigen Umlaufbahn ßber eine Spinseparation aus dem MOSIF vom MPO abgetrennt.cite-ref-1-25-1[25] Die polare und stark elliptische Umlaufbahn soll ein Perihermion von 400 km und einem Apohermion von 12,000 km haben und ein Umlauf wird ungefähr 9,3 Stunden dauern.
Dann wird auch MOSIF abgetrennt und MPO mit seinem eigenen chemischen Antrieb in seine eigene polare Umlaufbahn gebracht.cite-ref-58[58] Da MPO einen Antrieb hat, kann der Betrieb aus unterschiedlichen Umlaufbahnen erfolgen. Beide Orbiter sollen dabei in einer koplanaren Anordnung in den regulären Wissenschaftsbetrieb gehen.
Am Ziel angekommen, werden die Sonden dauerhaft Temperaturen von deutlich Ăźber 300 °C ausgesetzt sein. Dabei wird ihnen nicht nur die starke direkte Sonneneinstrahlung zusetzen, sondern auch die von der Tagseite Merkurs ausgehende Albedostrahlung und die von der bis zu 470 °C heiĂen Merkuroberfläche abgestrahlte Infrarotstrahlung.cite-ref-59[59]
Die formelle Hauptmissionsdauer der beiden Orbiter nach dem Erreichen der Merkurumlaufbahnen ist auf ein Jahr veranschlagt, mit der MĂśglichkeit einer anschlieĂenden einjährigen Sekundärmission.cite-ref-factsheet-2-7[2]
Siehe auch
Literatur
⢠Harald KrĂźger, Norbert Krupp, Markus Fränz: Aufbruch zum Merkur. In: Sterne und Weltraum. 57, Nr. 10, 2018, ISSN 0039-1263, S. 26â37.
⢠Tilmann Althaus: Die Merkursonde BepiColombo. In: Sterne und Weltraum. 46, Nr. 7, 2007, ISSN 0039-1263, S. 26â36.
⢠J. Benkhoff, G. Murakami, W. Baumjohann, S. Besse, E. Bunce, M. Casale, G. Cremosese, K.-H. Glassmeier, H. Hayakawa, D. Heyner, H. Hiesinger, J. Huovelin, H. Hussmann, V. Iafolla, L. Iess, Y. Kasaba, M. Kobayashi, A. Milillo, I. G. Mitrofanov, E. Montagnon, M. Novara, S. Orsini, E. Quemerais, U. Reininghaus, Y. Saito, F. Santoli, D. Stramaccioni, O. Sutherland, N. Thomas, I. Yoshikawa, J. Zender: BepiColombo - Mission Overview and Science Goals. In: Space Science Reviews. Band 217, Nr. 8, Dezember 2021, ISSN 0038-6308, doi:10.1007/s11214-021-00861-4.
⢠H. Gray, J. Bolter, K. Kempkens, P. Randall, N. Wallace: BepiColombo â The Mercury Transfer Module. IEPC-2019-606. (PDF; 2 MB) Presented at the 36th International Electric Propulsion Conference, University of Vienna, Austria 15â20 September 2019.
Weblinks
Commons
: BepiColombo
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠Karl Urban: Der Merkur-Orbiter BepiColombo. In: Raumfahrer.net. 13. Mai 2007, abgerufen am 22. Oktober 2018.
⢠Die BepiColombo Mission zum Merkur. In: DLR.de. Abgerufen am 22. Oktober 2018.
⢠BepiColombo. In: sci.ESA.int. Abgerufen am 22. Oktober 2018 (englisch).
⢠BepiColombo. Mercury Exploration. In: stp.isas.JAXA.jp. Abgerufen am 22. Oktober 2018 (englisch).
⢠BepiColombo im NSSDCA Master Catalog (englisch).
⢠RZ043 BepiColombo. In: Raumzeit-Podcast.de. 3. August 2012, abgerufen am 22. Oktober 2018.
⢠RĂźdiger Jehn: Videos âHow to fly to Mercuryâ. Abgerufen am 14. Mai 2019.
Einzelnachweise
cite-note-11. BepiColombo To Enter Implementation Phase. ESA, 26. Februar 2017.
cite-note-factsheet-22. BEPICOLOMBO â Fact Sheet. In: ESA.int. 10. Dezember 2019, abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch).
cite-note-esa-33. BepiColombo blasts off to investigate Mercuryâs mysteries. In: ESA.int. Abgerufen am 20. Oktober 2018 (englisch).
cite-note-4-44. â J. Benkhoff, G. Murakami, W. Baumjohann, S. Besse, E. Bunce, M. Casale, G. Cremosese, K.-H. Glassmeier, H. Hayakawa, D. Heyner, H. Hiesinger, J. Huovelin, H. Hussmann, V. Iafolla, L. Iess, Y. Kasaba, M. Kobayashi, A. Milillo, I. G. Mitrofanov, E. Montagnon, M. Novara, S. Orsini, E. Quemerais, U. Reininghaus, Y. Saito, F. Santoli, D. Stramaccioni, O. Sutherland, N. Thomas, I. Yoshikawa, J. Zender: BepiColombo - Mission Overview and Science Goals. In: Space Science Reviews. Band 217, Nr. 8, Dezember 2021, ISSN 0038-6308, doi:10.1007/s11214-021-00861-4 (springer.com [abgerufen am 7. Dezember 2024]).
cite-note-55. â Solar Electric Propulsion. Abgerufen am 9. Oktober 2021.
cite-note-2-66. â Electric blue thrusters propelling BepiColombo to Mercury. In: ESA.int. Abgerufen am 26. Mai 2020 (englisch).
cite-note-77. â Fabian LĂźdicke: BepiColombo Mission: Raumsonde, Missionsprofil, Instrumente. In: DLR.de. Institut fĂźr Planetenforschung, abgerufen am 17. September 2017.
cite-note-88. â Christoph Steiger, Alkan Altay, Elsa Montagnon, Frank Budnik, Massimo Casasco, Pascal Espeillac, Susanne Fugger, Tommy Strandberg: GNC Operations for the BepiColombo Mission to Mercury: First In-flight Experience. Hrsg.: European Conference for aeronautics and space sciences 2019. 2019, doi:10.13009/EUCASS2019-218 (researchgate.net).
cite-note-99. â Marco Pinto, Beatriz Sanchez-Cano, Richard Moissl, Johannes Benkhoff, Carlota Cardoso, PatrĂcia Gonçalves, Pedro Assis, Rami Vainio, Philipp Oleynik, Arto Lehtolainen, Manuel Grande, Arlindo Marques: The BepiColombo Environment Radiation Monitor, BERM. In: Space Science Reviews. Band 218, Nr. 7, 21. September 2022, ISSN 1572-9672, S. 54, doi:10.1007/s11214-022-00922-2.
cite-note-1010. â Fabian LĂźdicke: Laseraltimeter BELA. In: DLR.de. Institut fĂźr Planetenforschung, abgerufen am 17. September 2017.
cite-note-1111. â DLR â Institut fĂźr Planetenforschung â Laseraltimeter BELA. In: DLR.de. Abgerufen am 13. Juni 2020.
cite-note-1212. â MERTIS. In: Cosmos.ESA.int. Abgerufen am 18. Oktober 2018 (britisches Englisch).
cite-note-1313. â PHEBUS. In: Cosmos.ESA.int. Abgerufen am 18. Oktober 2018 (britisches Englisch).
cite-note-1414. â J.-F. Mariscal, N. Rouanet, J.-L. Maria, B. Lustrement, E. Bertran, C. Montaron, G. Guignan, A. Reberac, E. Quemerais, P. Zuppella, M. G. Pelizzo, A. J. Corso, I. Yoshikawa, K. Yoshioka, G. Murakami: PHEBUS UV spectrometer on board ESA-BepiColombo Mission: Instrument design & performance results. In: SPIE digital library (Hrsg.): International Conference on Space Optics â ICSO 2018. 12. Juli 2019, doi:10.1117/12.2536020.
cite-note-1515. â SIMBIO-SYS. In: Cosmos.ESA.int. Abgerufen am 19. Oktober 2018 (britisches Englisch).
cite-note-1616. â SIXS. In: Cosmos.ESA.int. Abgerufen am 19. Oktober 2018 (britisches Englisch).
cite-note-1717. â MPS: MIXS on BepiColombo. Abgerufen am 20. Juni 2020.
cite-note-1818. â MIXS. In: Cosmos.ESA.int. Abgerufen am 1. November 2018 (britisches Englisch).
cite-note-1919. â SERENA. In: Cosmos.ESA.int. Abgerufen am 2. November 2018 (britisches Englisch).
cite-note-2020. â What is STROFIO? (Memento vom 12. Dezember 2016 im Internet Archive). In: ifsi-roma.inaf.it.
cite-note-2121. â MPS: BepiColombo â SERENA. Abgerufen am 20. Juni 2020.
cite-note-2222. â MPO/MAG â Cosmos. In: Cosmos.ESA.int. Abgerufen am 23. November 2018 (britisches Englisch).
cite-note-3-2323. â ESA Science & Technology â Earth flyby opens new science opportunities for BepiColombo. In: sci.ESA.int. Abgerufen am 13. Juni 2020.
cite-note-2424. â MIO â Mercury Magnetospheric Orbiterâs New Name. In: global.jaxa.jp. 8. Juni 2018, abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch).
cite-note-1-2525. â MMO (Mercury Magnetospheric Orbiter): Objectives. In: stp.isas.jaxa.jp. Space Plasma Group â ISAS/JAXA, abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch).
cite-note-2626. â MIO â Mercury Magnetospheric Orbiter. In: global.jaxa.jp. JAXA, abgerufen am 10. Dezember 2019.
cite-note-0-2727. â Mercury Magnetospheric Orbiter MIO / BepiColombo. In: isas.jaxa.jp. JAXA Institute of Space and Astronautical Studies, abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch).
cite-note-2828. â Mercury Magnetospheric Orbiter. In: Cosmos.ESA.int â Bepi Colombo. ESA, abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch).
cite-note-2929. â MMO/MGF MMO magnetometer. In: Cosmos.ESA.int â Bepi Colombo. ESA, abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch).
cite-note-3030. â BepiColombo nähert sich dem Planeten Merkur Weltrauminstitut, oeaw.ac.at, 29. September 2021, abgerufen am 3. Oktober 2021.
cite-note-3131. â MPPE Mercury plasma/particle experiment. In: Cosmos.ESA.int â Bepi Colombo. ESA, abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch).
cite-note-6-3232. â MPPE. Abgerufen am 20. Juni 2020.
cite-note-3333. â PWI plasma wave investigation. In: Cosmos.ESA.int â Bepi Colombo. ESA, abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch).
cite-note-3434. â MSASI Mercury Sodium atmosphere spectral imager. In: Cosmos.ESA.int â Bepi Colombo. ESA, abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch).
cite-note-3535. â BepiColombo industrial contract signed. In: ESA.int. 18. Januar 2008, abgerufen am 14. August 2012 (englisch).
cite-note-3636. â ESAâs Mercury mapper feels the heat. In: ESA.int. 18. Januar 2011, abgerufen am 19. Januar 2011 (englisch).
cite-note-3737. â Mercury Planetary Orbiter takes a simulated trip to the innermost planet. In: sci.ESA.int. 12. Oktober 2011, abgerufen am 14. Oktober 2011 (englisch).
cite-note-3838. â BepiColombo science orbiters stacked together. In: ESA.int. ESA, abgerufen am 10. Dezember 2019 (englisch).
cite-note-va245lk-3939. â Launch Kit VA-245. In: Arianespace.com. (PDF; 1,6 MB). Abgerufen am 13. Juni 2020.
cite-note-4040. â Arianespace VA245 Launch Press Kit. (PDF; 1,7 MB) In: Arianespace.com. Abgerufen am 13. Oktober 2018.
cite-note-4141. â BepiColombo now firing on all cylinders. In: ESA.int. Abgerufen am 26. Mai 2020 (englisch).
cite-note-4242. â MPPE â BepiColombo â Cosmos. In: Cosmos.ESA.int. Abgerufen am 17. Juli 2019.
cite-note-4343. â First electron spectra in the solar wind for MEA onboard BepiColombo. In: irap.omp.eu. Archiviert vom Original am 17. Juli 2019; abgerufen am 17. Juli 2019.
cite-note-4545. â ESA Science & Technology â ESA to conduct BepiColombo flyby amid coronavirus crisis. In: sci.ESA.int. Abgerufen am 13. Juni 2020.
cite-note-4646. â ESA Science & Technology â Earth flyby opens new science opportunities for BepiColombo. In: sci.ESA.int. Abgerufen am 13. Juni 2020.
cite-note-4747. â BepiColombo takes last snaps of Earth en route to Mercury. In: ESA.int. 10. April 2020, abgerufen am 13. April 2020 (englisch).
cite-note-5-4848. â BepiColombo flies by Venus en route to Mercury. In: ESA.int. 15. Oktober 2020, abgerufen am 22. Oktober 2020: ââThe flyby itself was very successful,â confirms Elsa. âThe only difference to normal cruise phase operations is that near to Venus we have to temporarily close the shutter of any of the star trackers that are expected to be blinded by the planet, similar to closing your eyes to avoid looking at the Sun.ââ
cite-note-4949. â Jonathan OâCallaghan: In A Complete Fluke, A European Spacecraft Is About To Fly Past Venus â And Could Look For Signs Of Life In: Forbes.com. Abgerufen am 16. September 2020 (englisch).
cite-note-5050. â Leah Crane: BepiColombo may be able to search for signs of life as it passes Venus In: NewScientist.com. Abgerufen am 26. September 2020 (englisch).
cite-note-5151. â BepiColomboâs first views of Mercury. Abgerufen am 9. Oktober 2021 (englisch).
cite-note-5252. â BepiColomboâs first tastes of Mercury science. Abgerufen am 17. Oktober 2021 (englisch).
cite-note-5353. â Glitch on BepiColombo: work ongoing to restore spacecraft to full thrust. Abgerufen am 4. September 2024 (englisch).
cite-note-5454. â Fourth Mercury flyby begins BepiColomboâs new trajectory. Abgerufen am 4. September 2024 (englisch).
cite-note-5555. â BepiColombo's fifth Mercury flyby. Abgerufen am 7. Dezember 2024 (englisch).
cite-note-5656. â BepiColombo to swing by Mercury for the sixth time. Abgerufen am 8. Januar 2025 (englisch).
cite-note-5757. â Tilmann Althaus: Merkursonde BepiColombo muss länger fliegen 03.09.2024 in spektrum.de
cite-note-5858. â Mission Operations â Getting to Mercury. In: sci.ESA.int. 12. Oktober 2018, abgerufen am 22. Oktober 2018 (englisch).
cite-note-5959. â ESA gives go-ahead to build BepiColombo. In: ESA.int. 26. Februar 2007, abgerufen am 22. Oktober 2018 (englisch).